"Zahnweh im Bauch...Endstation Kaiserschnitt"


"Zahnweh im Bauch... Endstation Kaiserschnitt"


... Tage lang habe ich mich schon mit diesen unerträglichen Schmerzen gequält, aber es stand Féli's Geburtstag an. Es sollte eine letzte mega Party werden, bevor die kleine Schwester kommt. Ich musste dekorieren, backen, kochen, basteln und das im Eiltempo mit fetter Kugel. In der 34. Woche war ich da. Nach dem der Geburtstag rum war und definitiv gelungen ist, war das nächste Ziel "Hauptsache überleben" bis zum nächsten Kontrolltermin beim Arzt, 3 Tage später. Diagnose Symphysenlockerung. Braucht doch echt kein Mensch. Schmerzen aufgeklärt, dachte ich mir. Und habe mich dann ein paar Tage weiter gequält. Still und leise gelitten. Konnte ja sowieso keiner verstehen."Dicke stell dich nicht so an, bald hast du es doch geschafft" Okay okay, ich halte ja schon durch und sage nichts mehr. Eine Woche nach Feli's Geburtstag war meine Überraschung's Babyparty und ich habe mich wirklich sehr gefreut. Aber die Schmerzen haben mich wirklich kaum Atmen lassen. Ich habe versucht es zu überspielen, aber es viel mir immer schwerer.Ich habe mich von Woche zu Woche gehangelt. Mein Strohalm war immer wieder der nächste Arzttermin.  3 Tage nach der Babyparty war dann endlich der nächste Termin, da ich eine Risiko Schwangere, wegen der vorangegangenen Fehlgeburten und der Schwangerschaftsdiabetes war, waren die Termine gottseidank jede Woche Mittwoch. Auch hier konnte mein Arzt noch nichts Schlimmeres feststellen, aber auch er hat sich nur auf die Symphysenlockerung konzentriert und natürlich die Aktivität vom Fusselchen beobachtet. Es waren keine Wehen auf dem CTG zusehen und das Babymädchen war fit. Also dachten wir uns alle, kann nur die Symphyse sein , die Terror schiebt und haben versucht das mit schonen und liegen in den Griff zu bekommen. Sonntags drauf war dann die Geburtstagsfeier von Emmas Patentante, die natürlich genau so aufgeregt war wie ich... Aber an dem Tag konnte ich meine Schmerzen nicht mehr verstecken und wir haben so langsam angefangen uns alle zu sorgen. Bis zum Mittwoch würde ich es nicht mehr schaffen. Den Montag rum zubekommen, war schon äußerst schwierig, aber der Gockel war auf Arbeit und hatte erst ab dem nächsten Tag frei. Also habe ich mich noch einen weiteren Tag gequält und bin direkt am Morgen ins Krankenhaus gefahren. "Fruchtblase geplatzt ?" ... "Nein ich habe starke Schmerzen" ... "Welche Woche sind Sie ?" ... "In der 37+1 aber es sind keine Wehen, dass würde ich fühlen. Es fühlt sich an wie unerträgliche Zahnschmerzen im Bauch" .... "Okay okay , es sind sicher Wehen. Laufen Sie auf und ab. Melden sie sich in 2 stunden wieder, dann haben wir einen Platz am CTG " .... ERNSTHAFT, ich wollte diese Hebamme mit Haut und Haaren fressen. Selbst dazu war ich nicht mehr in der Lage, es waren mir wirklich unbekannte Schmerzen. Ich habe mich so unverstanden gefühlt. Wut. Hitze. Kälte. Angst. Ich konnte nur noch weinen und war am Ende. War ich wirklich nicht mehr in der Lage Wehen und andere Schmerzen auseinanderzuhalten? Ich war allein, ganz allein. Niemand war bei mir, der Gockel war bei den Kindern und ich musste durchhalten. Gottseidank habe ich den Arzt auf dem Flur vorbei huschen sehen, der mich in meinen beiden anderen Schwangerschaften schon gut und sehr fürsorglich begleitet hat. Er hat direkt gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Mich sofort angesprochen und mich beruhigt.  Er war natürlich ebenfalls auf 180 wie ich und hat mich direkt mit ins Untersuchungszimmer genommen und mir ebenfalls recht gegeben.... 

 

"Frau Tho, es sind keine Wehen, da haben Sie vollkommen recht". NATÜRLICH HATTE ICH RECHT. Ich bin Mutter von 2 Kindern und Ihr könnt mir glauben, ich habe alles durch Senkwehen, Eröffnungswehen, Geburtswehen und Presswehen. Spontane Geburt. Geplanter Kaiserschnitt wegen Schwangerschaft`s Diabetes . Und dann an diesem Tag die Botschaft  zum Kaiserschnitt. Er machte einen Ultraschall von allen Seiten und stellte sehr schnell fest, die Kaiserschnitt Narbe, die nun mittlerweile 5 Jahre alt war , existiert von innen nicht mehr. Die äußere Hautnarbe war vollkommen intakt, jedoch war die innere Narbe komplett offen, die Gebärmutter war kaum noch 1mm dick. Es war Zeit zu handeln. Jedoch war das alles so nicht machbar. Ich konnte nicht sofort stationär gehen. Ich war zu Hause noch nicht annähernd fertig. Termin war ja schließlich nicht am 30.09, sondern am 18.10. Der Plan war, die Kids haben Hort und Schule bzw. Kita und wir haben doch verdammt noch mal gleich Ferien. Mein Plan geht hier nicht auf.

Wie soll ich das alles organisieren ? Ich war ratlos und planlos und auf einmal, war das alles geplante weg. Für mich ist meine perfekt geplante Welt zusammengebrochen, wenn man so ganz alleine ist und sich als "Sicheren Boden" Hort und Kita ausgesucht hat, könnte man das schon grob fahrlässig nennen. Aber dieser Weg war der einzige um irgendwie gemeinsam, als Paar oder Eltern weiter zu kommen. Der Gockel musste seinen Urlaub umplanen. Ich musste zu Hause Anweisungen geben. Wir mussten einen Plan mit Hort und Kita ausarbeiten und dann ging es ins Krankenhaus zurück. Am Nächsten Tag war dann der Notkaiserschnitt, andere Mamas mussten warten, die Stunden vor mir geplant waren. Aber die Werte vom Fusselchen hatten sich Rapide verschlechtert und es musste gehandelt werden.

ALLE DIE  HIER NUN LESEN UND DEMNÄCHST EINEN KAISERSCHNITT VOR SICH HABEN, NICHT MEHR WEITER LESEN ....

Ich war halb im Delirium und halb da. Und da war es, das Ruckeln und Ziehen, das Schütteln. Alles anders, wie beim ersten Kaiserschnitt. Es war schrecklich und erschreckend. Grausam. Wir haben gehört, wie man mich zuerst aufschnitt. Ein ganz komisches Geräusch, wie wenn man Pizza mit der Schere schneidet. Dann hörten wir, wie ich Schicht  für Schicht aufgerissen wurde. Ein unbeschreibliches Geräusch, welches mir bei dem Gedanken daran, immer noch die Gänsehaut über den ganzen Körper laufen lässt. Mein Mann war schockiert, er wäre fast vom Stuhl gekippt. Mir war eiskalt. Es fühlte sich dieses Mal so falsch an, obwohl das richtige dabei rauskommt. An mir wurde gerüttelt und gezogen. Ich habe gespürt, wie man in mir "wühlte". Der ganze Tisch hat gewackelt. Es war ein ganz schlechter Horrorfilm und ich ziehe meine erste spontan Geburt, dieser Geburt vor. Ich hatte keine Schmerzen, aber verdammt noch mal, DAS war unnormal. Wirklich, so was Schreckliches habe ich noch nie erlebt. Mein Verstand konnte das alles nicht verstehen. Mein Herz raste.... 

AB HIER KANNST DU WEITER LESEN: Ich hatte großes Glück, dass die Ärzte superlieb waren und versucht haben uns die Ängste zu nehmen. Ich kann mir bis heute nicht erklären, warum ich bei diesem Kaiserschnitt so was erlebt habe. Bei Tin-Tin's Geburt , hatte ich genau denselben Kaiserschnitt mit der selben Anästhesie und dort war das Schlimmste, was ich erlebt habe, meine Beine fliegen zusehen, obwohl ich es nicht gespürt habe. Auf mein Nachfragen hin, meinten die Ärzte, es könnte sein, dass die Spinalanästhesie damals, einfach höher dosiert war und ich deshalb, dieses Mal viel mehr mitbekommen habe, wie beim letzten Mal. Endlich war er da, ihr erster Schrei.

Geweint habe ich und war so erleichtert, dass sie nach all der Angst, die ganze Schwangerschaft über da war und schrie. "Schatz sie schreit" ... "Schatz sie ist da und lebt"... Aber man sah ihr an, sie war zu früh. Es war noch nicht an der Zeit für sie. Überall war extrem viel Käseschmiere und ihre Äugeln bekam sie nicht auf. Gefroren hat sie. Sie wurde dann direkt zum Kinderarzt gebracht und ich habe den Gockel sofort hinterher geschickt. Ich brauchte in diesem Moment nichts, außer die Gewissheit, dass mein Baby gleich kuscheln darf und nicht alleine ist. Ich wurde dann noch 1h ordentlich genäht, in der Hoffnung, falls es noch eine Schwangerschaft gibt, dass die Narbe nicht wieder reißt. Und kam dann in den Aufwachraum zur Überwachung. Dort habe ich auf den Schüttelfrost und die Schmerzen gewartet. Fehlanzeige. Ich hatte dieses Mal kein Schüttelfrost und auch kaum Schmerzen. Selbst meine Füße habe ich nach knapp 20 min wieder gespürt ohne ekliges Kribbeln . Ich wäre direkt bereit gewesen aufzustehen, wenn ich gedurft hätte. Ich durfte dann auf Station, wo mir auch endlich mein Fusselchen gebracht wurde. Meine erste Frage war "Hat sie zwei gesunde Augen ?" ... Mein Mann musste mich erst einmal auslachen , weil er das alles nicht verstehe konnte und fragte mich, wie ich denn auf solch einen Unsinn komme . "Na es sah so aus, als hätte sie keine Augen, durch die Käseschmiere" ... dann fing er wieder an zu lachen und meinte nur " Schatz sie hat zwei gesunde Augen, aber dafür einen Knickfuß" und diese Aussage hat mich erst einmal zum heulen gebracht, denn das konnte ich nicht verstehen. Ich habe mir das schlimmste ausgemalt . Dann hat er sich Erbamt und mir erklärt, dass der von ganz alleine wieder verschwinden wird. Ihr Fuß war einfach zu lange, in derselben Position eingeklemmt im Bauch. Ich muss immer wieder an diesen unfassbar schönen Moment zurück denken, wie sie da auf meiner Brust lag und ihr feiner Atem immer wieder meine Haut berührt hat. Dieser wundervolle Geruch. Dieses leichte Quicken . Diese unglaublichen Gefühle. Danach habe ich sie einfach erst mal 7h angestarrt .... Bis die Großen kamen und dieses zauberhafte Wesen begrüßt haben. Hallo Emma Elia -Linh <3


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